Das Unternehmen wird bewertet

In Teil 1 hast du verschiedene Arbeitgeber Bewertungsportale kennengelernt. Nun stellt sich die Frage, wie du mit diesen (teils anonymen) Bewertungen umgehen kannst.

 

Kann ich diese Bewertungen ernst nehmen?

Wie auf jedem Bewertungsportal, sollten auch Arbeitgeber Bewertungen hinterfragt werden. Bewertungen sind nie neutral, da meistens Emotionen mitschwingen. Es gilt zwischen den Zeilen zu lesen, und die für sich selbst relevante Informationen herauszufiltern.

  • Das Donnerwetter: So wie der ständige Nörgler im Hotel, der jedes Staubkorn als Anlass nimmt sich an der Rezeption zu beschweren, gibt es auch in den Unternehmen Mitarbeiter*innen, die immer das Haar in der Suppe finden werden. Gerne geben sie Ihren Unmut weiter. Wer kennt nicht den Spruch „Eine positive Erfahrung erzählt man drei Leuten weiter, eine negative Erfahrung zehn.“
  • Der Sonnenschein: Alles Friede, Freude, Eierkuchen? Pustekuchen? Mitarbeiter*innen, welche sich mit jedem Unternehmen 1:1 identifizieren und nie ein schlechtes Wort verlieren, trauen sich manchmal nur nicht dem Chef die Meinung zu sagen. Am Ende ist der Grund egal: Der Sonnenschein ist darauf bedacht kein negatives Bild zu hinterlassen.
  • Der Nebel: Es gibt diese Mitarbeiter*innen, welche ihre Arbeitszeit absitzen. Diesen Mitarbeiter*innen ist ihre Freizeit heilig, um ihre Träume zu erfüllen. Wie ihnen ihre Arbeit gefällt erfährt man selten.
  • Der Regenbogen hätte jede Menge Kritik- und Verbesserungsvorschläge vorzubringen, auch wenn er grundsätzlich zufrieden ist, kann oder will sich aber nicht mit dem Chef anlegen. Genau diese Bewertungen sind für die User am wertvollsten, denn sie verbinden die positiven und negativen Eigenschaften des Unternehmens.

 

 

Eine gesunde Skepsis gegenüber den Bewertungen ist sicherlich angebracht. Kununu schreibt auf der eigenen Webseite, dass für jede eingegebene E-Mail-Adresse nur eine Bewertung je Unternehmen abgegeben werden kann. Bei Manipulationsverdacht erfolgt eine manuelle Prüfung. Unternehmen und User sollen sich beim Support melden, wenn der Verdacht einer Manipulation besteht.


Soll ich mich vor negativen Bewertungen fürchten?

 

 

Nein. Nicht jede negative Bewertung ist auch immer schlecht. Reagiert man als Unternehmen angemessen darauf, kann die anfangs negative Bewertung am Ende positiv wirken. Man sollte auch bedenken, dass bestimmte negativ bewertete Punkte auf andere (zukünftige) Mitarbeiter sehr positiv wirken können (z.B. das Unternehmen fordert Pünktlichkeit). In jedem Fall sollte man negative Bewertungen sachlich kommentieren.
Im deutschen Handel gibt es z.B. mehr positive Bewertungen als negative. Käufer möchten mit ihrer Bewertung zukünftigen Käufern bei der Entscheidung behilflich sein. Doch vertrauen die Käufer teils mehr den negativen als den positiven Bewertungen.


Was kann das Unternehmen gegen „Fake-Bewertungen“ tun?

Gerade auf Portalen ohne Klarnamenspflicht ist es für ein Unternehmen schwer nachzuvollziehen, ob eine Bewertung echt ist. Hat ein Unternehmen berechtigte Zweifel an der Echtheit einer Bewertung, sollte es sich in jedem Fall mit dem Portal-Betreiber in Kontakt setzen.

 

Soll ich die Bewertungen meines Unternehmens beeinflussen?

Die Antwort lautet hier ganz klar JEIN.
Keinesfalls sollten gefälschte Mitarbeiter-Accounts erstellt werden, um den Prozentsatz der Weiterempfehlungen nach oben zu drücken. Auch von einer (bezahlten) Belohnung für positive Bewertungen für die Mitarbeiter sollte Abstand genommen werden. Mitarbeiter*innen sollten zu keiner Bewertung gedrängt werden. Bedenke, dass manipulierte Bewertungen einen Boomerang-Effekt haben können. Sie können sehr schnell vom Positiven ins Negative umschwenken.
Folgendes solltest Du in jedem Fall machen. Nimm die Anliegen und Bedürfnisse deiner Mitarbeiter*innen ernst. Sorge dafür, dass sich Mitarbeiter*innen in deinem Unternehmen wohl fühlen. Bitte Mitarbeiter, die sich im Unternehmen wohl fühlen um eine Bewertung. Bitte auch Mitarbeiter, die dein Unternehmen verlassen, und die sich im Unternehmen wohl gefühlt haben, um eine Bewertung.

 

Im nächsten Teil gehe ich auf die Nutzung, Chancen und Risiken ein.

 

Texte: hier, hier und hier;
Bilder: smilies, Regenbogen, Angst;