Mama will wieder arbeiten

 

Am 10. Mai 2020 ist Muttertag. Mütter werden an diesem Sonntag gefeiert. Das restliche Jahr haben sie es nicht immer leicht: Die Gesellschaft hat sich geändert. Bleiben sie jahrelang bei ihren Kindern zu Hause, gelten sie als faul und denken nicht an ihre finanzielle Absicherung. Gehen sie arbeiten, sind sie Rabenmütter. (Diesen Begriff „Rabenmutter“ gibt es anscheinend nur in der deutschen Sprache.) Arbeiten Mütter in Teilzeit, sind sie unflexibel für die Arbeitgeber, während sich zu Hause die Hausarbeit stapelt. Also was nun?


Kultureller Unterschied

Bei meiner Recherche habe ich dieselben Wörter in verschiedenen Sprachen eingegeben. Die deutsch- und englischsprachige Mutter (und Vater) findet Tipps, wie sie die Rückkehr in die Arbeitswelt am besten meistern kann. Die italienischsprachige Mutter erhält die geballte Ladung der Schuldgefühle mit der Frage: „Leidet mein Kind, wenn ich wieder arbeiten gehe?“ Die Tipps für die Rückkehr zur Arbeit werden mehr auf die Bedürfnisse des Kindes zugeschnitten. In skandinavischen Ländern ist die Elternzeit nicht den Müttern vorbehalten. Im Gegenteil, Väter müssen zum Teil Elternzeit nehmen. Also, "nur" kulturelle Unterschiede? 

Darf Mama arbeiten?

Vielfach sind es die Frauen selbst, die sich im Wege stehen. Auch Mütter haben Chancen auf Karriere. Die neuseeländische Premierministerin hat während ihres Amtes die Schwangerschaft verkündigt. Wie selbstverständlich hat sie auch verkündigt, dass sie weiterhin arbeiten wird. Der Vater kümmert sich um das Kind und hat damit prompt Kritik erhalten – vielfach von Frauen. Sie hat sich von der Kritik nicht unterkriegen lassen. Jacinda Ardern arbeitet weiterhin als Premierministerin und ist sehr beliebt. In der Realität der meisten Eltern ist es die Frau, die in Teilzeit arbeitet. Während der Vater weiterhin Vollzeit arbeitet, kümmert sich Frau um die gemeinsamen Kinder.
Ein Tweet von Markus Tschannen ging letztes Jahr in den sozialen Medien die Runde: „Wir sollten heute beim Elternabend die Handynummern in der Telefonliste mit V für Vater und M für Mütter ergänzen, damit die Schule bei einem Problem nicht versehentlich den Papa bei der Arbeit anruft.“ Er beendet den Tweet mit „Ich bin so müde.“ Ist unsere Gesellschaft nicht bereit anzuerkennen, dass auch Mütter arbeiten wollen? Oder wollen Mütter nicht arbeiten?


Weshalb ist ein Wiedereinstieg in den Beruf alles andere als leicht?

„Frauen sind zu passiv, zu spät und zu wenig selbstbewusst“, wenn es um ihre Arbeit geht. Das behaupte nicht ich, sondern Karriereberater und Buchautor Jürgen Hesse. Mütter haben das Gefühl, niemand mehr gerecht zu werden: Weder der Familie noch der Arbeit und schon gar nicht dem Kind. Aus Schuldgefühlen die Karriere nicht selbst in die Hand zu nehmen ist ein Fehler! Selbst ist die Frau, die zeigt, wie fleißig sie ist. Hesse sagt viele Frauen verhalten sich bei Vorstellungsgesprächen, als hätten sie sich etwas zu Schulden kommen lassen. Er ist der Meinung die Frau soll früh und klug mit der Führungskraft ihren Wunsch von Familien- und Arbeitsleben verhandeln. So hat sie gute Chancen sich den Wunsch zu erfüllen und sich trotzdem Karrierechancen offen zu halten.

Tipps für den Wiedereinstieg

Mamas sollen sich nicht entscheiden zwischen Arbeit und Kind. Beides ist machbar. Es wird aber keiner Frau in den Schoß gelegt. Hier ein paar Tipps für den Wiedereinstieg in den beruflichen Alltag: 

  • Ein Tipp, welcher bereits während dem Mutterschutz zu beherzigen ist. Während deines Vollzeit-Job hattest du nie Zeit für Weiterbildung? Mach es jetzt! Onlinekurse kannst du an deine Zeitbedürfnisse anpassen. Lies Fachzeitschriften oder gehe zu einer Fachkonferenz, falls du die Möglichkeit dazu hast. Lass dich eventuell zu spezifischen firmeninternen Kursen einladen. Dein (potenzieller) Arbeitgeber sieht so, dass du Kind und Arbeit unter einem Hut bringen kannst. Außerdem wirkt sich diese Weiterbildung positiv auf deinem Lebenslauf aus, den du bei einem Arbeitswechsel auch unbedingt aktualisieren solltest. Hast du ein Linkedin Profil? Aktualisiere dein Profil und bring es auf dem neuesten Stand.
  • Thema Kinderbetreuung: Eltern sollen sich früh genug darum kümmern. Eventuell auch einen Plan B haben, falls Plan A unerwartet ausfallen sollte. In Bewerbungsgesprächen macht es Eindruck und zeigt Verlässlichkeit, wenn du bereits sagen kannst, wo du dein Kind unterbringen wirst.
  • Bleibst du beim selben Arbeitgeber, verabrede dich mit deinen Arbeitskollegen oder lade deine Führungskraft auf einen Kaffee ein um dein „Arbeits-Ich“ wieder zu erwecken. Kläre für dich unbedingt die Frage: Möchte ich überhaupt wieder zurück zu meiner alten Arbeit?
  • Egal, ob du beim selben Arbeitgeber bleibst oder einen Arbeitswechsel in Betracht ziehst: Bewirb dich auch für Vollzeitstellen. Eventuell sind die Arbeitszeiten so flexibel, dass du mehr als 50% arbeiten kannst. Flexibilität muss aber von beiden Seiten kommen, nicht nur vom Arbeitgeber.
  • Beginne an einem Donnerstag oder Freitag. Das Wochenende ist nicht mehr fern und aus diesem Grund stellt sich ein psychologischer Erfolg ein. Diese zwei Tage solltest du anfangs geheim halten. Nutze diese Zeit, um deine E-Mails zu lesen und dein Wissen auf den aktuellen Stand zu bringen. Stresse dich nicht mit einem Meeting nach dem anderen. Setze dir lieber für jede Woche kleine Zwischenziele, die auch erreichbar sind.
  • Die Frage „und wie geht’s?“ ist zwar meist gut gemeint, bringt jedoch ein unterschwelliges „schon hart für dich, oder?“ mit. Leider trägt es nicht dazu bei, dass die Mutter sich bei der Arbeit gestärkt fühlt. Deine Antwort sollte deshalb mit erhobenem Haupte sein: „Mir geht es sehr gut. Ich freue mich meine Kollegen zu sehen. Es wird eine Herausforderung sein, aber ich werde zu Hause gut unterstützt.“
  • Dein Kind ist für dich dein Ein und Alles? Jetzt wird es hart für dich! Bei der Arbeit sollst du dich auf die Arbeit konzentrieren. Natürlich kannst du von deinem Schatz erzählen, doch solltest du auch andere Themen zulassen. Nicht jeder deiner Mitarbeiter interessiert sich brennend für deinen Nachwuchs.
  • Übung macht den Meister. Ein paar Tage vor deinem ersten Arbeitstag solltest du die neue Routine mit der Familie einstudieren: stehe morgens auf, frühstücken, duschen, Kind anziehen, dieses zur Tagesmutter bringen etc. Dann fahre zur Arbeit, um ein Gefühl zu erhalten, wie lange du benötigst. So nimmst du dir die Aufregung am ersten Arbeitstag.
  • Wichtig für die Mütter, die alles alleine schaffen (wollen): Lasse es zu, dass dein Mann sich auch um das Kind kümmert!

Tipps für Papis

Bekanntlich bekommen Frauen die Kinder nicht allein. Meist gibt es einen männlichen Part dazu. Also was kann Mann tun, um die Partnerin zu unterstützen?

  • Mann und Frau teilen sich die Hausarbeit (wenn es nicht ohnehin schon so gemacht wird). Es geht nicht darum, alles zu übernehmen. Der Mann muss nicht plötzlich zum Sternekoch mutieren, wenn er vorher schon Wasser verbrannt hat. Aufgaben nach Vorlieben und Können verteilen hilft beiden in einer Partnerschaft – auch ohne Kind.
  • Beide arbeiten und erziehen die Kinder zusammen. Der Haushalt kann dann auch mal nicht so perfekt sein. Falls es die finanzielle Situation der Familie zulässt, kann man sich eine Haushaltshilfe suchen. Falls die Familie dieses Geld nicht ausgeben möchte oder kann, sollte man auch mal Fünfe gerade sein lassen.
  • Das Kind wacht nachts auf und bisher hat sich immer die Frau darum gekümmert, denn der Mann musste fit für die Arbeit sein. Das war einmal. Jetzt arbeiten beide, das heißt auch die Frau benötigt mal einen ungestörten Schlaf.
  • Beide werden erschöpft sein und benötigen Hilfe vom anderen. Die Partnerschaft wird gestärkt, wenn man weiß „Ich kann mich auf meinen Partner verlassen“.

Ich bin überzeugt, dass meine männlichen Leser diese vier Punkte von selbst beherzigen. 😉 Falls du doch Probleme mit den Veränderungen haben solltest, weil deine Partnerin wieder arbeitet, dann motiviert dich vielleicht der Gedanke der Mehreinkünfte.

 

 

Das skandinavische Vorbild

Jedes der vier skandinavischen Länder hat andere Modelle wie die Elternzeit geregelt wird. In Norwegen ist der Vater z.B. verpflichtet mindestens 6 Wochen Elternzeit zu nehmen. Selbst in den restlichen drei Ländern nehmen Väter freiwillig Elternzeit. Von Bekannten habe ich erfahren, dass Väter eher schief angeschaut werden, wenn sie es nicht machen. Schweden wird in der Familienpolitik gerne als Vorbild für ganz Europa gesehen. Man darf jedoch eines nicht vergessen! Die Gesellschaft hat sich in den letzten Jahren langsam zu dem heutigen Verständnis entwickelt. Die Gesetze 1:1 in anderen Ländern zu übernehmen, müsste beinhalten, dass die Gesellschaft auch mitmacht. In Schweden ist es selbstverständlich, dass Beruf und Familie unter einem Hut gebracht werden können. Arbeitgeber haben dafür Verständnis, dass auch Väter ihren Anteil an Kindererziehung leisten.

 

Bilder: Startbild, Möwen, Jobsuche, Papi, Skandinavien - MGufler;
Textquellen: hier, hierhier, hierhier, hierhier, hierhier, hier und hier;



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