Na, dann heul doch!

Dein Team liebt sich? Es ist ein Herz und eine Seele? Glückwunsch! Leider geht es aber auch anders. Was tun, wenn es jeden Tag schroffe Ansagen und harsche Kritiken hagelt? Was tun, wenn Kollegen vor allen anderen bloßgestellt werden? Ganz nach dem Motto: „Nicht geschimpft ist genug gelobt!“ Dass dieses Arbeitsklima nicht motivierend ist, ist wahrscheinlich allen klar.

Als Führungskraft sollte dir der Umgangston innerhalb deines Teams wichtig sein.
Dies wirkt sich umgehend positiv auf das Unternehmen aus.

Bis eine*r heult …

Manche Menschen sind nahe am Wasser gebaut. Ich behaupte mal, dass es sich hier nicht unbedingt um emotional schwache Personen handelt. Aber wie soll ich als Führungskraft damit umgehen? Bei der Arbeit wird nicht geheult! Na, sehr sympathisch. Solche Aussagen helfen niemandem weiter. Als Führungskraft sollte dir der Umgangston innerhalb deines Teams wichtig sein. Dies wirkt sich umgehend positiv auf das Unternehmen aus. Sollten deinem Gegenüber die Tränen in die Augen steigen, dann halte besser inne! Mit einer neutralen Frage gibst du deinem Gegenüber die Möglichkeit zwischen einer Pause oder Fortführung des Gesprächs zu wählen.

Halte inne!

Es muss nicht unbedingt am Führungsstil liegen, wenn Mitarbeiter*innen heulen. Es kann durchaus sein, dass ein*e Mitarbeiter*in einen sehr emotionalen Charakter hat, und daher nahe am Wasser gebaut ist.

Als gute Führungskraft möchtest du sicher nicht vor heulenden Mitarbeitern stehen. Aber wie kannst du solche Situationen vermeiden?


Wie funktioniert gute Kommunikation?

Es gibt kein Patentrezept, welches immer und überall passt. Gewisse Grundregeln sollten aber eingehalten werden:

  • Inhalte präzise und sachlich vermitteln, damit die Sachlage für alle verständlich ist.
  • Welches Ziel hat man vor Augen? Warum haben sich die Prioritäten geändert?
  • Hebe positive Leistungen hervor. Zeige Wertschätzung.
  • Sei hart in der Sache, aber weich zu den Menschen.
  • Sei ehrlich, damit deine Körpersprache mit dem Gesagten übereinstimmt.
  • Sprich nicht über Mitarbeiter*innen, sondern mit ihnen.
Wähle den konstruktiven Mittelweg!

Kritik muss möglich sein, aber zwischen Kuschelkurs und Konfrontation gibt es auch den konstruktiven Mittelweg: ohne Häme, ohne Schuldzuweisungen. Diese Art der Kommunikation ist lösungsorientiert. Was wird aber als Kuschelkurs, harsch oder konstruktiv wahrgenommen? Teams sollten sich gemeinsam darauf einigen, wie sie miteinander kommunizieren wollen. Werden Regeln aufgestellt, müssen diese auch eingehalten werden.

 

Was kann ich als Mitarbeiter*in tun?

Der Chef ist der Meinung, dass er am eigenen Kommunikationsstil nichts ändern muss. Du fühlst dich als Mitarbeiter*in aber (trotz Verbesserungsvorschlägen) mit diesem Kommunikationsstil dauerhaft unwohl? Wenn das Umfeld nicht stimmt, dann rät Karriereberaterin Pamela Grüninger zu einem Wechsel.
Passt der Ton eines Teammitglieds nicht zu deinem eigenen Standard, solltest du diese offen ansprechen. Wenn man es nicht schafft einen gemeinsamen Konsens zu finden, sollte man eine Führungskraft hinzuziehen.
Antje Hüfner, Coach für Kommunikation und Karriere, rät Bewerbern bereits beim Einstellungsgespräch genau auf den menschlichen Aspekt zu achten. Wie wird mit den Arbeitskollegen umgegangen? Wie sprechen Mitarbeiter*innen miteinander? Evtl. gezielt nach der Gesprächskultur fragen. Entspricht diese den eigenen Erwartungen? Kann dein zukünftiger Arbeitgeber dazu etwas sagen? Hat er sich mit diesem Thema überhaupt beschäftigt?

Wie ist der eigene Kommunikationsstil?

Zu guter Letzt: Wie ist mein eigenes Verhalten? Wie ist der eigene Kommunikationsstil? Ist er nur direkt, oder verletzend? Bleibe ich ruhig, wenn mein Gegenüber laut wird, oder reagiere ich zunehmend selbst lauter und wütender?

 

Was ist das Ziel einer gut funktionierenden Kommunikation?

Ach hör mir auf mit guter Kommunikation! Die gibt es in keinem Unternehmen! Oh ja, das habe ich schon einmal von einer Führungskraft gehört. Es kann gut möglich sein, dass kein Unternehmen die 100% perfekten, ultimativen, fehlerlosen Kommunikationswege gefunden hat. Trotzdem sollte jedes Unternehmen versuchen sich den 100% anzunähern. Langfristig bewirkt gute Kommunikation einen nachhaltigen Erfolg auf vielen Ebenen. Neben der Information der Mitarbeiter*innen, schafft gute Kommunikation Transparenz, Orientierung und Motivation.
Alles in allem reduziert gute Kommunikation Kosten für das Unternehmen.

  • Mitarbeiter*innen fühlen sich wertgeschätzt und bringen leichter Verständnis für Überstunden oder schwere Zeiten auf. Ein gutes Arbeitsklima führt zu einem „Wir-Gefühl“ und zur Identifikation mit dem Unternehmen.
  • Der Zusammenhalt und die Teamarbeit werden gestärkt.
  • Mitarbeiter*innen fühlen sich loyal zum Unternehmen.
  • Die Reputation nach Außen verbessert sich: Arbeitgebermarketing fängt von innen an.
  • Der Ablauf im Betrieb funktioniert reibungsloser.
  • Auch viele Personen kommen zu einer schnellen Entscheidung.
  • Fördert die Kommunikation zwischen Abteilungen und somit die Effizienz.
  • Reduziert unnötige Gerüchte und Ängste.

Alles in allem reduziert gute Kommunikation Kosten für das Unternehmen.

Und wenn schon jemand am Arbeitsplatz heult, dann sind wir uns doch einig: Wir wollen Freudentränen sehen!

 

Bilder: weinender Mann, Fokus, Freudentränen
Texte: hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier;