Früher war alles besser? – Früher vs. Heute

Früher war alles besser? Früher vs. heute...

Schon mal den Satz „Früher mussten wir … tun!“ oder „Früher waren wir froh darüber, wenn…“. Ja früher war alles besser, oder doch nicht? Wann fängt denn früher überhaupt an?


Das Mittelalter

Von vielen Sagen umwogen: Hexenverbrennungen, Kerker, Ritter und Könige, Leibeigene, Knechte und Mägde. Je nach gesellschaftlichem Stand hatte Mann und Frau mehr oder weniger gearbeitet. Es gab noch keinen Strom. Die Menschen lebten mit der Sonne. Arbeitszeit vermischte sich mit der Freizeit. Damals lebten die Angelstellten mit der Arbeitgeberfamilie unter einem Dach. Das Freizeitangebot von damals kann man nicht mit heute vergleichen. Damals gab es aber mehr Pausen während des Arbeitstages und mehr Feiertage, welche für Erholung sorgten. In der Gegenwart arbeiten laut stern.de Deutsche durchschnittlich samt Überstunden, Teil- und Vollzeit zusammen, 38,6 Stunden die Woche. Thomas Ertl, ein deutscher Historiker, fand heraus, dass damals gegenüber heute nicht unbedingt mehr gearbeitet wurde. Selbstständige Handwerker und Bauern im Mittelalter waren zugegeben "unfrei" und auch deshalb ihren Lehnsherren verpflichtet. Trotzdem konnten sie für sich haushalten. 


Die Industrialisierung

Wie sah es dann später aus? Im 18. und 19. Jahrhundert schwappte die Industrialisierung von England nach Europa über. Die Leibeigenschaft wurde nach und nach abgeschafft. Durch die Erfindung der Dampfmaschine und des mechanischen Webstuhls wurde die Arbeit vielleicht einfacher, jedoch stiegen die Arbeitsstunden pro Tag auf ca. 12-16 Stunden. Sich krankschreiben lassen gab es nicht. Beschweren durfte man sich auch nicht. Frauen und Kinder waren günstige Arbeiter, da sie nur die Hälfte des Gehalts der Männer verdienten. Die Schule sahen manche Kinder nie von innen. Zwischen Mitte und Ende des 19. Jahrhunderts verbesserte sich die Situation der Arbeiter. Man erkannte, dass Frauen- und Kinderarbeit schlechte Auswirkungen auf das Familienleben hatte, und wurde daher durch staatliche Regelungen eingeschränkt. Die Arbeitszeit wurde pro Woche von 82,5 Stunden im Jahre 1825 auf etwa 57 Stunden im Jahre 1910 verkürzt.


Das 20. Jahrhundert

Die zwei Weltkriege im 20. Jahrhundert haben vieles zerstört. Die Trümmerfrauen und -kinder begannen vielfach ohne ihre Männer wieder die Stadt zu beleben. Die Männer waren gefallen oder kamen traumatisiert nach Hause. In der Nachkriegszeit musste geackert werden um sich wieder „etwas aufzubauen“. Frauen wollten (oder mussten) immer öfter einer Arbeit nachgehen und wurden dadurch auch unabhängiger.
Vor den 50er und 60er Jahren waren Frauen üblicherweise „nur“ für Haushalt und Kinder zuständig. Falls sie arbeiten gingen, benötigten sie teilweise die Genehmigung ihrer Ehemänner. Diese durfte sogar den Gehalt einheimsen. Die Frau musste den Haushalt immer noch allein wuppen. War der Mann damit nicht zufrieden, durfte er sogar ihren Arbeitsvertrag auflösen.


Die Gleichberechtigung von Mann und Frau

Seit 1957 ist dieser Grundsatz in den EU-Verträgen verankert. Männer und Frauen erhalten für die gleiche Arbeit gleiches Gehalt. Naja, zumindest in der Theorie! In Deutschland wurde die Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau mit dem Gesetz vom Mai 1957 verabschiedet. In Kraft trat es mit 1. Juli 1958. Wie war es in Italien? Papier scheint geduldig zu sein. In Italien wurde zwischen 2003 und 2006 der europäische Grundsatz per Gesetz umgesetzt. So manches musste hart erkämpft werden. Frauen dürfen ihren Wunschberuf nachgehen, wie wir aber bereits (verlinkung mit Teil 3) gelesen haben, war es vor nicht all zu langer Zeit noch keine Selbstverständlichkeit.


Heute

Heute beträgt die durchschnittliche Arbeitswoche bei Vollzeit 40 Stunden. Manche arbeiten sicherlich noch mehr. Burnouts sind auch keine Seltenheit. Frauen sind inzwischen nicht mehr auf eine Ehe angewiesen, um finanziell über die Runden zu kommen. Die Arbeitslosenquote in Südtirol betrug letzthin ca. 3,3%. Die Corona Krise hat auch den Südtiroler Arbeitsmarkt beeinflusst. Wie schnell sich Südtirol und die ganze Welt davon wieder erholt, wird die Zeit zeigen.


Also war früher alles besser?

Früher war ein Gehalt für die Familie ausreichend. Das Eigenheim war damit bezahlbar. Doch lebten frühere Generationen auch sparsamer. Produkte wurden gekauft und repariert bis gar nichts mehr ging. Die Wegwerfgesellschaft von heute gibt mehr Geld für teilweise unnötige Dinge aus. Der Bau vom Eigenheim ist zudem durch kostspieligere Materialien heutzutage teurer geworden. Dafür sollte es im Erhalt (Heizung/Kühlung etc.) sparsamer sein. Trotzdem ist es für so manche Familie ein Ding der Unmöglichkeit sich ein Eigenheim zu leisten, auch bei zwei Vollzeit-Gehältern! Immer mehr Menschen drängen sich auf dem Planeten Erde und der Platz ist begrenzt. Grund und Boden wird immer teurer. Es gibt viele Gründe, weshalb das eine Gehalt von früher heute nicht mehr reicht. Trotzdem würde ich nicht tauschen wollen. Auch früher war nicht alles rosig. Ich glaube eher, dass wir heutzutage so verwöhnt sind, dass wir auf hohem Niveau jammern.


Ein Blick in die Zukunft

Der demografische und technische Wandel, Globalisierung, die Arbeitsorganisation und der Klimawandel werden den Arbeitsmarkt der Zukunft beeinflussen. Wie wir seit wenigen Monaten wissen: weltweite Pandemien beeinflussen das ganze Weltgeschehen. Der Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes behauptete, dass wir in 2030 nur mehr 15 Wochenstunden arbeiten werden. Einen Haken gibt es bei dieser Aussage: er schrieb diesen Essay im Jahr 1930. Björn Böhning beschäftigt sich mit dem Thema „Zukunft der Arbeit“. Er ist sich sicher, dass sich der Arbeitsmarkt grundsätzlich ändern wird. Wir werden zwar immer noch 40 Wochenstunden arbeiten. Alles andere wird sich aber ändern. Eine Änderung zeichnet sich bereits ab: ständige Fortbildung ist wichtig!

 

Foto: Fernglas
Text: hier, hier, hier, hier, hier, hier, hier und hier;